Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

V. l. n. r.: Jean-Pierre Sorrichilli, Alexander Straßmeir, Thomas Sattelberger, Matthias Woestmann, Dr. Bertold Höcker, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Ines Pohl, Gabriele Bischoff, Torsten F. Barthel, Seyran Ateş (Foto: Sabine Hauf)

 

BILDUNG. FORSCHUNG. VIELFALT. AKZEPTANZ.

 

Was will der Förderkreis der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld e. V.

Seit dem Herbst 2014 unterstützt der Förderkreis der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (FBMH) die Arbeit der Stiftung. Wir sind eine Gruppe aus den Bereichen der Wirtschaft, der Politik, des Rechts, der Presse und der Kirche. Wir wollen, dass die Stiftung mit ihrer Arbeit sowohl für Bildung und Forschung als auch für Vielfalt und Akzeptanz wirken kann. Wie liberal und offen eine Gesellschaft ist, zeigt sich gerade auch an deren Umgang mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Trans- und Inter*-Personen (kurz: LSBTI*). Akzeptanz ist keine Selbstverständlichkeit, das machen auch die teils sehr kontroversen Debatten um Homo-Ehe, Regenbogenfamilien, Schulaufklärung an Schulen und Gender-Politik deutlich.

Der Förderkreis der BMH will die Bildungs-, Forschungs- und Förderungstätigkeit der Stiftung in Bezug auf LSBTI* in Deutschland unterstützen und bekannter machen.

Ein Projekt liegt uns besonders am Herzen: Die Erlebnisse und Eindrücke von Zeitzeugen aus der Zeit der Repression und Diskriminierung Homosexueller in der Bundesrepublik Deutschland in einem „Archiv der anderen Erinnerungen“ zu dokumentieren, um so sichtbar zu machen, dass z. B. schwule Männer zu Unrecht verurteilt worden sind.

Als Förderkreis wollen wir daher Spenden und weitere Drittmittel für die Zwecke Bundesstiftung einwerben, um die finanzielle Ausstattung der Stiftung zu verbessern, damit sie ihrem Auftrag besser gerecht werden kann. Ziel des Förderkreises ist darüber hinaus die Förderung von Austausch und Begegnung zwischen Wissenschaftlern, Bildungsexperten und Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft, um der Diskriminierung von LSBTI* entgegenzuwirken. Wir wollen gerne die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik präsenter machen.

Mitglied des Förderkreises wird man durch eine vom Vorstand ausgesprochene Einladung.

 

Was tut die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld?

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) gibt es seit 2011. Sie wurde durch die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesministerin der Justiz, errichtet. Die Stiftung fördert Bildung, Wissenschaft und Forschung, in deren Zentrum die Geschichte und die gesellschaftliche Lebenswelt von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Inter*-Personen in Deutschland steht, indem sie unter anderem historische Forschungs- und Bildungsprojekte initiiert. Die Stiftung fördert zudem Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um der Diskriminierung von LSBTI* in Deutschland entgegenzutreten. Sie will die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen an Homosexuellen wachhalten und die Auswirkungen des § 175 StGB insgesamt dokumentieren. Dabei will sie auch an das Werk ihres Namensgebers, des Sexualwissenschaftlers und Mitbegründers der ersten deutschen Emanzipationsbewegung der Homosexuellen, Magnus Hirschfeld (1868-1935), erinnern.

Die Stiftung arbeitet unter anderem mit Universitäten sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen zusammen. Sie fördert Projekte, initiiert eigene wissenschaftliche Forschung und Bildung, sammelt Zeitzeugenberichte und vernetzt Bildungsarbeit zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Die Stiftung führt auch Ausstellungen, Tagungen und Diskussionsveranstaltungen durch. Wichtige Projekte der Bundesstiftung sind unter anderem das zeitgeschichtliche Forschungsprojekt „Verfolgung und Repression von LSBTI*“ gemeinsam mit dem Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München-Berlin; die Bildungs- und Forschungsinitiative „Fußball für Vielfalt – Fußball gegen Homophobie“, das Video-„Archiv der anderen Erinnerungen“, ein Zeitzeugen-Projekt zu den unmittelbaren und mittelbaren Folgen des Paragraphen § 175 StGB; die wissenschaftliche Vortrags- und Schriftenreihe „Hirschfeld-Lectures“ und nicht zuletzt das Fort- und Weiterbildungsprogramm “Hirschfeld Akademie”.

Hier geht es zur Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

Wer war Magnus Hirschfeld?

72dpi_magnus-hirschfeld2-248x300Magnus Hirschfeld (1868-1935), der Namensgeber der Bundestiftung Magnus Hirschfeld, war Mediziner, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten Homosexuellen-Bewegung in Deutschland. 1897 rief Hirschfeld das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee“ (WhK) ins Leben. Gemeinsam mit seinen politischen Mitstreitern setzt er sich für die Abschaffung des „Schwulenparagraphen“§ 175 StGB ein, der sexuelle Handlungen unter Männern bestrafte. In seinem Engagement für sexuelle Emanzipation wurde Hirschfeld als Jude diffamiert und als Sozialdemokrat angegriffen. Sein Kampf für die Abschaffung des § 175 StGB blieb vergeblich, 1933 kamen die Nationalsozialisten an die Macht, die das Strafrecht noch verschärften. Die Nazis zerstörten Hirschfelds Lebenswerk, zu dem auch das 1919 von ihm in Berlin eröffnete Institut für Sexualwissenschaft und dessen Sammlung gehörte. Es diente der Forschung und war auch sexualwissenschaftliches Archiv sowie Beratungsstelle. Das Institut wurde im Mai 1933 geplündert und die Bestände der Bibliothek am 6. Mai 1933 im Zuge der Bücherverbrennungen größtenteils vernichtet. Hirschfeld war zu diesem Zeitpunkt bereits ins Exil geflohen, wo er 1935 starb. Magnus Hirschfeld findet in seiner Rolle als Sexualreformer und Aufklärer immer noch sehr große Anerkennung. In Berlin heißt das Spreeufer zwischen Luther- und Moltkebrücke in der Nähe des Kanzleramts seit 2008 „Magnus-Hirschfeld-Ufer“.

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